Unsere europäischen Lizenzpartner unterstützen Sie bei der Realisierung Ihrer Ideen.
Verwaltungsgebäude der Firma Asia. Vouvry
Eine Pyramide am Genfer See
Wenn neue Geschäftssitze errichtet werden, dann fungiert Architektur oft als "Visitenkarte" eines Unternehmens. Bereits auf den ersten Blick will ein Unternehmen Kreativität und Kompetenz signalisieren - und vor allem: Unverwechselbarkeit.
Dies ist auch der Grund, warum ein Betrieb für Industrielle Automatisation aus Vouvry am Genfer See einen besonderen architektonischen Akzent setzen wollte: eine Pyramide am Genfer See.
Die Forschungsabteilung der Firma AISA / Vouvry befindet sich seit kurzem in einer Pyramide. Das bereits fertiggestellte Gebäude ist Teil einer Gesamtanlage, die auf insgesamt drei Pyramiden erweitert werden soll. Bei der Umsetzung dieser außergewöhnlichen architektonischen Konstruktion waren einige technische Hürden zu nehmen.
Einerseits sollte die Pyramide eine klare und geschlossene Form aufweisen, auf der anderen Seite aber Transparenz und Offenheit gegenüber der Außenwelt verkörpern. So verfügt die eigentliche Pyramide weder über Türen noch Fenster. Der Zugang zu dem Gebäude erfolgt durch ein Untergeschoss, das aufgrund der Abschüssigkeit des Geländes von einer Seite zugänglich ist.
Es ist geplant, nach Fertigstellung aller drei Pyramiden diese miteinander unterirdisch zu verbinden. Aufgrund der Beschaffenheit des Untergrunds im Rhone-Tal mußte die Pyramide aus statischen Gründen auf insgesamt 39 Stützpfeiler aus Beton mit einer Länge von je 18m gestellt werden. (s. Schnittzeichnung)
Structural-Glazing-Fassade
Um eine maximale Einheitlichkeit der Form zu erreichen wurde die Fassade als Structural- Glazing-Fassade ausgeführt. Die Gläser wurden durch die Fa. "HT-Verklebetechnik" auf Adapterrahmen aufgebracht, die an das Stahlskelett montiert sind. Durch die Verklebung mit Silikon konnte eine rahmenlosen Außenansicht realisiert werden.
Um die Adapterrahmen nach außen hin unsichtbar zu machen, wurden die Isoliergläser umlaufend mit Siebdruck versehen. Der Einsatz der Adapterrahmen war wesentlich durch die dadurch erreichte Montagefreundlichkeit begründet, was sich auch im Falle einer erforderlichen Reparatur als günstig erweisen kann. In einem solchen Fall wird einfach die Verschraubung des Rahmens am Stahlskelett gelöst, und die Scheibe kann mitsamt des Rahmens von der Konstruktion entfernt werden.
Schwierige Beschattungsfrage
Um die Transparenz des Gebäudes nach außen nicht zu zerstören, kam eine Außenbeschattung nicht in Frage. Zudem wäre dies mit außerordentlichen technischen Problemen, vor allem wegen des Winddrucks, verbunden gewesen.
Eine Beschränkung auf Sonnenschutzglas allein hätte nicht ausgereicht, um den Wärmeeintrag im Sommer ausreichend zu begrenzen.
Eine Innenbeschattung war neben den damit verbundenen energetischen Problemen auch konstruktiv nicht realisierbar, denn die Storenkästen und Führungsschienen hätten die gewollte "Leichtheit" der Gebäudehülle zerstört, ganz zu schweigen von den technischen Problemen der trapezförmigen Stores in den Winkeln.
So blieb nur die Möglichkeit, die Beschattung der ca. 500m² Fassadenfläche in den Scheibenzwischenraum des Isolierglases zu verlagern. Zum Einsatz kam das System ISOLETTE® mit einer perforierten, reflektierenden Lamelle.
Die 15 mm breiten Lamellen können motorisch geschlossen oder in jeden gewünschten Öffnungsgrad gebracht werden. Die Perforierung bewirkt eine maximale Transparenz der geöffneten Lamellen, auch wenn diese dauerhaft heruntergefahren sind. Für die trapezförmigen Gläser am Rand musste eine spezielle technische Lösung gefunden werden, da ein motorisches Bewegen nicht möglich ist. Es wurden hier starre Lamellensysteme in einem vom Planer festgelegten Winkel eingebaut.
Differenziertes Klimakonzept
Die Klimatisierung des Gebäudes basiert auf den beiden folgenden Prinzipien:
Im Sommer soll die im Innenraum entstandene Warmluft nach außen transportiert werden und im Winter soll die erzeugte Warmluft wiederverwendet werden.
Im Sommer erfolgt die Versorgung mit gekühlter Frischluft durch den Doppelboden aus dem Untergeschoß. Um die erwärmte Warmluft nach außen zu leiten kann die gesamte Pyramidenspitze hydraulisch angehoben werden. Steuerung von Zu- und Abluft wird durch einen Temperaturfühler automatisch geregelt.
Im Winter hingegen wird der Innenraum durch Heizkörper entlang der Fassade erwärmt. Wie im Sommer steigt die Luft in die Spitze, wird dort aber durch zwei Edelstahlrohre angesaugt und zur Erwärmung der einströmenden kalten Frischluft verwendet.
Gelungenes Gesamtkonzept
Die Offenheit nach außen hin wird durch die Konzeption des Innenraums fortgeschrieben. Der Zugang in die Pyramide erfolgt durch eine Glastreppe aus dem Untergeschoss. Die Pyramide selbst ist nicht weiter in Stockwerke unterteilt, so dass die Dimensionen des gesamten Innenraumes erfahrbar sind.
In der Mitte erstreckt sich ein von vier Betonpfeilern getragenes Podest, das als Konferenzraum genutzt wird, der quasi unter der Pyramidenspitze "schwebt". Zugang zu diesem Podest erfolgt ebenfalls über eine Glastreppe.
Insgesamt kann man von einem gelungenen Versuch sprechen, einen auffallenden architektonischen Kontrapunkt an diesem Ort zu setzen, der mit einem modernen Klimakonzept verbunden ist. Endgültig abgeschlossen wird dieses Konzept aber erst nach Errichtung der beiden anderen Pyramiden sein. Man darf gespannt sein.



