Erweiterung des Künstlerhauses in Nürnberg

Mitten im Zentrum Nürnbergs, gegenüber dem Hauptbahnhof und direkt am "Eingang" zur historischen Altstadt gelegen, befindet sich das Künstlerhaus Nürnberg. Für die Rekonstruktion des "Kopfbaus" an das Künstlerhaus war die Grundsatzfrage zu entscheiden, wie der Erweiterungsbau an den bestehenden historischen Baubestand angefügt werden kann.

Das aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangene Modell des Nürnberger Architekturbüros Grabow & Hofmann sah die Konstruktion eines "gläsernen Würfels" vor, der so in den Baubestand gesetzt werden sollte, dass er als einerseits als eigenständiges Bauwerk erkennbar ist und andererseits die ursprüngliche Situation des Orts sichtbar bleibt.

Als sensibler Bereich stellte sich die Frage der Beschattung heraus. Außenliegender Sonnenschutz kam für die Architekten von vornherein nicht in Frage, da dieser wie ein "zweites Gerüst" die angestrebte Glaswürfel- Konstruktion überdeckt hätte. Zudem wurde befürchtet, dass durch die im Bahnhofsbereich vorhandene extreme Verkehrsbelastung eine zwangsläufig schnelle Verschmutzung zu einem Wertverlust des Gebäudes führen würde.

Dies führte zu intensiven Diskussionen und Praxistests verschiedener Systeme, die sich insgesamt über den Zeitraum von einem Jahr erstreckten, bis sich letztendlich eine Lösung der Beschattung durch Jalousien-Isolierglas herauskristallisierte. Zum Einsatz kamen hochreflektierende, silberfarbene Lamellen (Typ ISOLETTE®), die zum Großteil perforiert wurden. Dadurch konnten zwei divergierende Erfordernisse erfüllt werden: Zum einen werden durch die Lamellen die bauphysikalisch geforderten Sonnenschutzwerte erlangt, zum anderen sichert die Perforierung auch bei heruntergelassenem Behang weitgehende Transparenz. Das Gebäude wird durch die Lamellen nicht vom Außenbezug abgeschirmt. Befinden sich die Lamellen in horizontaler Stellung, sind sie vom Auge kaum wahrnehmbar.

Der neue Kopfbau des Künstlerhauses konnte Anfang 2002 der Öffentlichkeit zur Nutzung übergeben werden. Interessant ist, dass seitdem die Akzeptanz in der Öffentlichkeit deutlich gegenüber den anfänglichen Bedenken vor allem der "Altstadtfreunde" gestiegen ist: Die historische Enge und Geschlossenheit des mittelalterlichen Stadtkerns soll durch dieses Gebäude nicht negiert werden. Es wird ihm aber ein architektonischer Kontrapunkt entgegengestellt, der Offenheit und Transparenz zum Ausdruck bringt. So findet ein Besucher Nürnbergs nun am historischen Haupteingang zur Altstadt beide Komponenten in einem produktiven Spannungsfeld nebeneinander. Eine gute Lösung, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden.

 

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